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Hugo Dornhofer



» Portrait
Hugo Dornhofer gehört zu den Menschen, deren Geschichte erzählt werden muss. Denn das Leben dieses einfachen Mannes aus dem thüringischen Eichsfeld steht beispielhaft für ein deutsches Schicksal. Dornhofer musste sie erfahren, die Ungerechtigkeit und Willkür, den Hass und die Brutalität beider deutscher Diktaturen des 20. Jahrhunderts. Er wurde eines ihrer Opfer.

Dornhofer, katholischer Gewerkschafter und Mitglied des Zentrums, war ein erbitterter Gegner der NS-Diktatur. Von seinen Ämtern gewaltsam enthoben, lebten er und seine Familie nicht nur in Not und Elend, sondern waren auch den Schikanen und Repressalien der Nationalsozialisten ausgesetzt.

Doch mit dem Ende des „Dritten Reiches“ schien sich für Dornhofer erneut die Chance auf politisches Engagement zu ergeben. Als überzeugter und couragierter Christdemokrat beteiligte er sich maßgeblich an der Gründung der CDUD in Thüringen und im Eichsfeld. Die großen Erfolge, die die junge Partei bereits bei der ersten Wahl 1946 im Eichsfeld zu verzeichnen hatte, waren vor allem ihm zu verdanken. Geradlinig, ehrlich und glaubwürdig stand er für Freiheit und Demokratie. Auch dann noch als durch die Übermacht der sowjetischen Militäradministration und der SED ein selbstständiger politischer Kurs nicht mehr möglich war. Seine strikte Ablehnung des „Blockflöten-Daseins“ und die offene Konfrontation mit dem SED-Regime machten ihn für die eigene Partei untragbar. Er wurde zum Opfer einer „Selbstreinigung“ der CDUD.

Für Dornhofer bedeutete dies das Ende aller politischen Hoffnungen. Sein Ziel, eine demokratische Gesellschaft auf christlicher Grundlage zu schaffen, war – auch wenn er im Innersten immer daran geglaubt hat – gescheitert. Der Preis für seinen Mut und Widerstandswillen war hoch. Von der Staatssicherheit verhaftet, verbrachte er vier Jahre seines Lebens unter unmenschlichen Bedingungen, der Folter und Willkür des perfiden SED-Staates ausgesetzt, im Gefängnis.

„Dornhofer wollte mit seinem Leben ein Zeichen setzen, Symbol und Vorbild sein [...]. Ein hoher Anspruch, der ihn oft an den Rand einer menschenwürdigen Existenz brachte“, schreibt Thomas Speckmann in seinen „Biografischen Studien“ über den Eichsfelder.

Dornhofer hätte wie viele andere politische Gefangene die DDR verlassen und den Weg in den Westen wählen können. Doch er ist sich und seiner Heimat treu geblieben – als staatlich Geächteter in einem menschenfeindlichen System. Und allein seine bloße Gegenwart im Stadtbild von Heiligenstadt hatte ihre Wirkung. Zeigte sie doch, dass es zu jeder Zeit Menschen gibt, die aufrichtig und entschlossen an ihren demokratischen Grundsätzen festhalten.


Stationen seines Lebenswegs


» 1896

Hugo Dornhofer wurde am 14. November in Oberfeistritz (Steiermark) geboren. Sein Vater Joseph und sein Großvater waren Straßenwärter, der Vater zudem Grundbesitzer. Seine Mutter Aloysia Dornhofer, geb. Derler, starb, als er gerade zwölf Jahre alt war.

» 1903-1911

Besuch der Volksschule in Anger und Lebing.

» 1911-1915

Tischlerlehre mit Gesellenprüfung.

» 1915-1919

Militärdienst im Ersten Weltkrieg an der Alpenfront mit Auszeichnungen; im Herbst 1919 aus italienischer Kriegsgefangenschaft entlassen.

» 1919-1921

Als Tischler, Drechsler und Sekretär beim Landeskartell der christlichen Gewerkschaften in Graz und Klagenfurt tätig, machte Dornhofer 1920 in der Kölner Zentrale der christlichen Gewerkschaften die Bekanntschaft mit Jakob Kaiser, dem er sein Leben lang verbunden blieb.

» 1920

Während eines Gewerkschaftskongresses in Köln lernte Dornhofer seine spätere Ehefrau Barbara, geb. Wand, kennen und siedelte in ihren Heimatort Heiligenstadt im Eichsfeld über.

» 1923-1933

Gewerkschaftssekretär beim Zentralverband christlicher Landarbeiter in Heiligenstadt, ab 1926 beim Zentralverband christlicher Tabakarbeiter Deutschlands, Bezirk Mitteldeutschland. Beitritt zum Zentrum, ab 1929 Mitglied der Stadtverordnetenversammlung in Heiligenstadt.

» 1933-1945

Dornhofer wurde seiner gewerkschaftlichen und politischen Ämter durch die SA gewaltsam enthoben, war arbeitslos und lebte von Wohlfahrtsunterstützung. Ab 1938 bei der Wirtschaftlichen Forschungsgesellschaft (WiFo) in Heiligenstadt und Insterburg (Ostpreußen) dienstverpflichtet, kam er 1943 zur WiFo-Außenstelle im Konzentrationslager Mittelbau-Dora bei Nordhausen. Dort wurde Dornhofer im Herbst 1944 nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli für kurze Zeit im Zuge der „Aktion Gewitter“ verhaftet; musste danach weiterhin in Mittelbau-Dora als Bauaufseher bis zur Befreiung des Lagers am 11. April 1945 arbeiten.

» 1945-1946

Nach seiner Heimkehr Ende April 1945 stellte sich Dornhofer für den Wiederaufbau zur Verfügung. Mitbegründer CDUD im Eichsfeld und in Thüringen, erster Kreisverbandsvorsitzender der Union im Landkreis Eichsfeld, stellvertretender und zeitweise amtierender Landesvorsitzender der Thüringer CDUD, Mitglied im Hauptausschuss der Ost-CDU. Mitbegründer der Einheitsgewerkschaft FDGB im Eichsfeld, als deren Vorstandsmitglied er 1946 auf der ersten Maikundgebung nach dem Krieg die Festansprache hielt. Unter seiner Leitung wurde die Union im Kreis Eichsfeld zur stärksten politischen Kraft (7000 Parteimitglieder). Bei den ersten Wahlen im Herbst 1946 errang die CDUD eine Zweidrittelmehrheit. Weitere Funktionen Dornhofers: Mitglied der Stadtverordnetenversammlung in Heiligenstadt, Vorsitzender des antifaschistischen Ausschusses im Block demokratischer Parteien der Stadtverordnetenversammlung in Heiligenstadt, Mitglied und Vorsitzender des Kreisbeirates und der beratenden Kreisversammlung, dann des Kreistages im Landkreis Worbis, Mitglied des Thüringer Landtages, Mitglied des Ältestenrates, des Rechts- und Rekursausschusses sowie Vorsitzender des Ausschusses für Arbeit, Gesundheit und Volksfürsorge im Landtag, Verwaltungsdirektor der AOK, folgend der Sozialversicherungskasse (SVK) in Heiligenstadt.

» 1947

Ab 1947 Auseinandersetzungen zwischen CDUD und SED/SMATh. Dornhofer bestand auf der Eigenständigkeit seiner Partei gemäß dem Berliner Gründungsprogramm vom 26. Juni 1945, befolgte die Befehle des Kontrollrates, setzte sich aber gegen die Sowjetisierungsbefehle der SMATh zur Wehr. Nach seiner Zurückhaltung in der Blockpolitik und der Ablehnung der Volkskongressbewegung kam es zum Bruch mit den Sowjets. Unter dem Zwang der Verhältnisse passte sich die „fortschrittliche“ Führung der CDUD bis zur Gleichschaltung an. Im November trat Dornhofer auf Druck der SMATh als amtierender Landesvorsitzender der Thüringer Union zurück.

» 1948

Im Februar besuchte Dornhofer Jakob Kaiser in Berlin, lehnte öffentlich dessen Absetzung ab und bezog Stellung gegen den „Volkskongress“. Am 19. Februar legte er den Posten des Kreistagsvorsitzenden nieder und trat als Vorsitzender der Eichsfelder CDUD zurück.

» 1949-1950

Im Februar beschloss der Vorstand der Sozialversicherungsanstalt (SVA) Thüringen in Gotha, Dornhofer als Verwaltungsdirektor der SVK in Heiligenstadt zu entlasten. Beurlaubung und spätere Versetzung nach Gotha. Da seine Kündigung aus politischen Gründen erfolgt war, reagierte Dornhofer mit einer Kündigungsschutzklage gegen die SVK, verlor jedoch den Prozess vor dem Thüringer Arbeitsgericht in Heiligenstadt. Dies nahm Dornhofer zum Anlass, seine letzten politischen Funktionen im Landtag und Kreistag zur Verfügung zu stellen. Damit war er wie nach 1933 erneut ohne Anstellung und ohne Einkommen.

» 1952-1956

Am 26. Juli wurde Dornhofer vom Staatssicherheitsdienst verhaftet und am 4. März 1953 wegen seiner Kontakte zum Ostbüro der westdeutschen CDU und seiner Bekenntnisse zu Jakob Kaiser zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt; sein Sohn Ignaz bekam sechs Jahre Haft, da man ihm vorwarf, die gleichen politischen Positionen zu beziehen wie sein Vater. Aufgrund einer Amnestie nach Stalins Tod wurden beide am 13. November 1956 aus der Haft entlassen.

» 1956-1977

Trotz beruflicher Möglichkeiten im Westen blieb Dornhofer aufgrund familiärer Bindungen und innerlich angetrieben von einem religiös bedingten Opfer- und Märtyrergeist als Symbol des Widerstandes in Heiligenstadt. Politische Isolation war die Folge. Seine Familie versorgte er durch Gelegenheitsarbeiten als Hausmeister und Gärtner bei den Heiligenstädter Schulschwestern.

» 1977

Hugo Dornhofer starb am 5. April in Heiligenstadt.

» 1990

Gedenken an die Opfer des Widerstandes gegen den Stalinismus an Dornhofers Grab durch Bürgermeister Bernd Beck am 18. November.

» 1991

Verleihung der Ehrenbürgerschaft am 21. Juli durch die Stadt Heiligenstadt.

» 1993

Rehabilitierung durch das Bezirksgericht Erfurt am 25. Januar. Ehrung der Stalinopfer im Obereichsfeld und damit auch Hugo und Ignaz Dornhofers in der Kreistagssitzung am 1. Oktober durch Landrat Dr. Werner Henning.

» 1996

Einweihung einer Gedenktafel für Hugo Dornhofer anlässlich seines hundertsten Geburtstages.

» 2008

Enthüllung einer Gedenktafel am ehemaligen Wohnhaus in Heilbad Heiligenstadt.

» 2009

Verlegung von einem "Stolperstein" in Heilbad Heiligenstadt als Erinnerung an die Verfolgung durch die Nationalsozialisten

» 2009

Enthüllung einer Gedenktafel im Thüringer Landtag

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